Waco YKS-6 zu Gast


 

„Deutsches Museum“ in Dithmarschen zu Gast

Seltener Oldtimer machte Zwischenlandung in Büsum

Text und Foto: Ingo von Oven

Ausgesprochen seltenen Besuch hatte der Flugplatz Heide-Büsum

in Oesterdeichstrich am vergangenen Wochenende. Fast unbemerkt landete dort die einzige in Europa noch fliegende Waco YKS-6, ein 80 Jahre alter Doppeldecker aus den USA. In der überwiegenden Zeit des Jahres ist dieses Flugzeug im Deutschen Museum in München als Ausstellungsstück zu bewundern. Nur vereinzelt verlässt es die Ausstellungshallen in der benachbarten Luftwerft Schleißheim, um an Flugschauen mit Oldtimern und Staffelflügen teil zu nehmen.

Oldtimer

In diesem Fall war es aber keine Airshow, sondern der Anlass, mit dieser ungewöhnlichen Maschine in den hohen Norden zu fliegen, ist eine alte Fliegerfreundschaft mit dem Piloten des Flugsportclubs Heide-Büsum, Jochen Paulsen. Beide verbindet eine über 25-jährige Freundschaft. Auf Flugschauen nicht nur in Deutschland (Hamburg, München, Berlin), sondern auch in diversen europäischen Ländern lernten sich beide Oldtimerfreunde bei den jährlichen Flugvorführungen kennen und schätzen. Jochen Paulsen nahm jahrelang an verschiedenen Formationsflügen mit seiner noch heute intakten Piper PA -18 teil, insbesondere auch an den speziellen Pipertreffen überall in Deutschland. Er initiierte zahlreiche Fliegertreffen und lenkte übrigens über 15 Jahre lang die Geschicke des hiesigen Flugsportclubs. In diesem Rahmen hatten sich im Jahr 1988 auf dem Flugplatz Heide-Büsum allein 52 Piper- Flugzeuge versammelt und waren in Reih und Glied entlang des Flugfeldes aufgestellt.

 

Nicht nur die sonnen-gelbe Farbe, sondern auch die Form des ursprünglich als Ambulanzflieger in den USA gebauten Flugzeuges sind auffallend. Für die Krankenversorgung in den unzugänglichen Gebieten Alaskas eignete sich dieser äußerst zuverlässige und robuste Flugzeug hervorragend. Zeitweise besaß dieser Typ auch Schwimmer und wurde in den endlosen Seengebieten als Wasserflugzeug eingesetzt, nicht nur zum Transport von Kranken, sondern auch von Unfallopfern. Diese Aufgaben nahm es bis 1957 wahr, bis es anschließend bis in die achtziger Jahre als Passagier- und Kurierflugzeug der Pacific-Airways eingesetzt wurde.

Ab 1991 erfolgte eine Generalüberholung mit dem Einbau eines stärkeren Motors, einem Sternmotor mit 275 PS und 7 Zylindern. Die Konstruktion des Oldtimers besteht aus Holzbeplankung mit Stoffbespannung. Er erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 190 km/h. Die Flugeigenschaften wird von dem jetzigen Besitzer, Marwin Herzog, als gutmütig und schwerfällig beschrieben, aber er sei äußerst zuverlässig und stabil. Mit diesen Eigenschaften hat er sich in den harten klimatischen Wetterbedingungen Alaskas mit Schnee, Eis und extremer Kälte hervorragend bewährt. Im April 1997 wurde die Waco in 18

Flugstunden von Las Vegas quer durch den amerikanischen Kontinent zu einem Flugplatz am Mississippi von den Piloten Walter Eichhorn und dem jetzigen Besitzer, Marwin Herzog, überführt, um von dort nach Zerlegung per Container nach Deutschland verschifft zu werden, wo es dann wieder zusammengebaut wurde.

Große Medienaufmerksamkeit bekam die Maschine aufgrund eines ungewöhnliches Ereignisses: Kein Fliegerlatein, sondern kuriose Wirklichkeit war die spektakuläre Landung einer Waco mit sogenannten „Flaotern“, also als Wasserflugzeug. Auf einem Fjord an der Küste Alaskas landete eine Maschine dieses Typs unfreiwillig auf dem Rücken eines Wales, was naturgemäß in den amerikanischen Zeitungen für großes Aufsehen sorgte.

Mittlerweile hat der Oldi den Flugplatz Heide-Büsum verlassen und nach sicherem Heimflug wieder seinen Platz im Deutschen Museum eingenommen. Neben seinem Fliegerfreund Jochen Paulsen waren es regionale Spezialitäten, nämlich die begehrten Nordseekrabben, die den Oltimerfan Marwin Herzog mit seinem antiken (Wasser)-Motorflugzeug in den Norden führten. Umgekehrt zog es den Büsumer Piper PA-18-Piloten regelmäßig in den Süden, zu seiner

„Oldtimerfamilie“ nach Bayern, nicht nur der Freunde wegen, sondern auch der Weißwürste, der Brezen, des Weißbiers und Leberkäses wegen.

Beide Freunde des Fliegens und der Oldtimer hoffen, wie bisher auch in den nächsten Jahren noch regelmäßig ihre Freundschaft und ihre Liebe zu den regionaltypischen lukullischen Spezialitäten pflegen zu können. Dann dürfte wieder ein knallgelber Doppeldecker als Zeuge der Vergangenheit aus dem Deutschen Museum in München mit dröhnendem Motor auf dem Flugplatz Heide-Büsum in Oesterdeichstrich starten und landen.