Superstimmung bei den Ikarusfliegern

Schlechtes Wetter beeinflusste das Treffen

Text und Fotos: Ingo von Oven

Wegen schlechten Wetters konnte das für das vergangene Wochenende geplante Treffen der Ikarus C 22-Freunde auf dem Flugplatz in Österdeichstrich bei Büsum nur in kleinem Rahmen stattfinden. Schwierige Flugbedingungen sorgten bei den etwas 20 erwarteten Fliegern für Absagen bzw. zum Umkehren noch während des begonnenen Hinfluges. Drei Piloten landeten letztlich auf dem Flugplatz und wurden von dem Innitiator dieses Events, Burkhard Rüping, der seit dem 1. April 2021 im Wechsel wochenweise auf dem dortigen Tower seinen Dienst als Flugleiter versieht, begrüßt. Die längste Strecke, 1200 km, hatte der 57 Jahre alte Hagen Tobianke aus Bautzen nach seiner mehrtägigen Tour mit Umwegen hinter sich. Seit 1994 ist er leidenschaftlicher Flieger und übernahm in der Folgezeit eine Maschine aus seinem Verein, eine Ikarus C 22, eines der ersten Ultraleichtflugzeuge, die nach den vorherigen Hängegleitern auch als Schulflugzeug beliebt waren.

Der Innitiator des Treffens (Flugleiter Burkhard Rüping, links) und der langjährige Pilot aus Bautzen, Hagen Tobianke, nach der Landung vor einer Ikarus C 22 auf dem Büsumer Flugplatz

„Die Ikarus ist ein sehr gutmütiger Flieger für zwei Personen mit optimaler Rundumsicht und moderaten Flug- und Pflegekosten. Die Reisegeschwindigkeit beträgt ca. 110 km pro Stunde“, lobt denn auch der begeisterte Pilot das im Allgäu produzierte Fluggefährt, mit dem er mittlerweile zum zweiten Mal in Büsum gelandet ist. Neben der Ostsee liebt er in besonderem Maße die hiesige Nordseeküste wegen ihrer landschaftlichen Schönheiten. Als Highlight hat er noch immer seinen Flug zur Insel Helgoland in bester Erinnerung. Das Alleinstellungsmerkmal dieses Flugzeugtyps ist der oben über dem Rumpf platzierte Rotaxmotor, der mit Autobenzin Super 95 arbeitet und ca. 13 Liter pro Stunde benötigt. Interessant ist auch das Doppelsteuer, das von beiden Seiten bedient werden kann. Mit dem 50-Litertank sind über drei Stunden Flugzeit möglich einschließlich Reserve. Vor allem im Sommer und am Wochenende ist der passionierte Flieger mit seiner Ikarus unterwegs.

Die Ikarus wird mit einem Doppelsteuer (von zwei Seiten möglich) bedient

„Obwohl ich starke Höhenangst habe, vergeht diese sofort, wenn sich das Flugzeug von der Erde löst“, gesteht denn auch der sonst als Fahrschullehrer für landwirtschaftliche Maschinen beschäftigte Pilot. Ein kleines Inserat, das die Schwester zufällig in der lokalen Zeitung sah, veranlasste den 57-jährigen, einen Lehrgang für Ultraleichtfliegen zu besuchen und legte damit den Grundstein für seine intensive Leidenschaft. Sogar innerhalb der Woche, wenn die berufliche Tätigkeit zur Belastung geworden ist, empfiehlt die eigene Ehefrau ihrem Mann zur Entspannung das Fliegen, was durchaus nicht bei allen Pilotenehen üblich ist. Zum ersten Mal hier oben an der Nordsee ist Jörg Penner, der schlecht-wetterbedingt mehrere Tage brauchte, um von Pirmasens nach Büsum zu kommen. Ganz Deutschland, Österreich , Frankreich und weitere Länder der Umgebung hat er schon mit seiner Ikarus bereist und bezeichnet trotz der Probleme auf dem Hinflug in den hohen Norden die Ikarus als geradezu ideal. „ Die Maschine ist ein zuverlässiger Begleiter und auch für Anfänger geeignet, da sie viele Fehler verzeiht“, ist seine Meinung.

Mit der Ikarus C 22 in 600 m Höhe über Büsum mit Blick auf die Perlebucht und die Nordsee

Seit 2018 Flieger, aber erst seit vier Monaten stolzer Besitzer einer Ikarus, ging auch der Maschinenbauingenieur Christoph Müller  vom benachbarten Dithmarscher Luftsportverein St. Michaelisdonn in die Luft, allerdings mit dem kürzesten Weg. Auf dem Kieler Flughafen entwickelte sich schon als Kind sein Jugendtraum vom Fliegen. „Ich liebe die ursprüngliche und sportliche Art des Fliegens, die mit diesem Flugzeug möglich ist“, äußert er und schaut sich gern die dithmarscher und nordfriesische Wattlandschaft aus der Vogelperspektive an, seit einiger Zeit sogar mit seiner kleinen Tochter.

Auch der Ideengeber für diese Veranstaltung, der dritten dieser Art in Deutschland, vorher in Pirmasens und Oldenburg i.O., Burkhard Rüping, ist seit jeher mit der Fliegerei verbunden. Nach 20 Jahren Ballonfahren in Schweden und auf Malta, Flugleiterausbildung in Süddeutschland und Flugleitertätigkeit in Osnabrück hat es ihn beruflich nach Büsum verschlagen, wo er in seiner Freizeit in einer  Halle des dort ansässigen Vereins zur Zeit gerade eine Ikarus C 22 selbst zusammenbaut.

Bei einem anschließenden gemütlichen Essen im Flugplatzbistro wurden drei Pokale vergeben. Die frisch gebackene Pilotin Catrin Voß vom Verein in St. Michaelisdonn hatte sich bereiterklärt, eine Beurteilung der gelandeten Flugzeuge nach verschiedenen Kriterien durchzuführen. Den Pokal für die beste Landung erhielt Christoph Müller, für die weiteste Anreise (Bautzen) Hagen Tobianke und für die schönste Außenlackierung Jörg Penner.

Trotz der wetterbedingten geringen Anzahl an Teilnehmern und der versagten Möglichkeit, kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung z.B. nach Föhr zu unternehmen, war die Stimmung bei allen Freunden der Ikarus C 22-Fangemeinschaft ausgesprochen gut und voller Enthusiasmus. Allerdings hofft man bei Wiederholung im nächsten Jahr auf besseres Wetter und damit auch mehr Interessenten aus der Öffentlichkeit, um diesen durch Schnupperflüge und viele Informationen die ursprüngliche Art des Fliegens zu demonstrieren und sie für dieses Flugzeug zu motivieren.

Piloten und Freunde der Ikarus zwischen zwei Maschinen auf dem Büsumer Flugplatz

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